Thema heute: Robbe´s 63´er Caravan

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63erCaravan
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Thema heute: Robbe´s 63´er Caravan

Beitrag von 63erCaravan » 20.11.2011, 14:54

Guten Tag!

Nun da ich seit einigen Monaten schon im Forum umherschaue möchte ich mich bzw. mein „Projekt“ auch mal vorstellen.
Seit ich denken kann bin ich schon ein Schrauber und seitdem steht sich auch ein Fahrzeug im zugeramschten Pferdestall langsam zu Schrott.

Ich weiß noch…. Damals … trotz Verbot von ganz oben, einfach mal Tür aufgeknackt, durch Spinnenweben gekämpft, rein geklettert und Autofahren gespielt. XD


Sooo….

Jetzt zu meinem Opel Rekord A.

Watt?

„A“?

In diesem Forum???

Die Geschichte in Kurzform:

1963: Ein Weißer Opel Rekord A wird von dem Bruder der Frau vom Bruder meines Opas im „Westen“ bestellt. Vom Opelhändler wird ein noch nicht gebautes Auto verkauft um die Fahrgestellnummern für die Überführungsgenehmigung zu haben.
Die Einführungsgenehmigung in die DDR wird gestellt, es soll sich um ein Hochzeitsgeschenk handeln.
Trotz der Übersendung des Fahrzeugbriefes, wurde der Antrag, beim ersten Anlauf, abgelehnt. Inoffizieller Grund: Opel fahren hier nur Professoren und Doktoren.

Scheinbar gab es für die Ablehnung keine Gesetzesgrundlage und die Verantwortlichen sollten das Auto abkaufen.

Lange Zeit später wurde die Einführgenehmigung erteilt (hatte wohl niemand sonst 7000 Westmark?).

Der weiße Opel ist aber schon zwischenzeitlich verkauft, stattdessen wird ein seegrüner geliefert.

Der Bruder der Frau vom Bruder meines Opas brachte das Fahrzeug in das Sperrgebiet, genau bis vor das Tor und durfte die 15 km auf der Autobahn zum nächsten Dorf zurücklaufen.
Somit besaß mein Großonkel wahrscheinlich den ersten Rekord A im Osten ;-)

1974: 17S Maschine, getauscht gegen 19S aus Unfallwagen (69.000).

1975: Neu Lackiert: Opel Limonen Grün Metallic, Dach in schwarz

1977: Großonkel verkauft den Rekord an Großvater. Zu der Zeit musste jeder Verkauf eines Kfz bekannt gemacht werden und die Personen der „höheren Ebene“ hatten ein sog. Vorkaufsrecht. Somit wäre der Opel garantiert an jemand anderes verkauft wurden.

Glücklicherweise Stand im Fahrzeugbrief die Frau meines Großonkels als Eigentümerin, mit dem gleichen Nachnamen. Bei der Zulassungsstelle hieß es dann: „ Nein das Fahrzeug muss natürlich nicht auf Ihre Frau geschrieben sein, Herr ****** .„
Besitzer amtlich gewechselt. XD

1990: Fahrzeug wird Abgemeldet. Als er aus der Garage soll um dem neuen Auto (Kadett Diesel) platz zu machen, verweigert er das erste Mal den Dienst. Die darauffolgenden Reparaturversuche scheiterten. Diagnose: Beleidigt. Die letzten Meter der 209.000Km legt er am Seil zurück und endet Lieblos abgestellt in einem ausgedientem Pferdestall.





Ich habe hier einfach zu wenige Bilder gemacht, deshalb versuche ich es genau zu beschreiben:

2010: Hochsommer. Eine Astschere schneidet sich bis an das zugewucherte Tor. Knarzend bewegen sich die rostigen Scharniere an den Klapprigen Holztüren. Große, schwarze, behaarte Spinnen krabbeln geräuschvoll über trockenes Laub. Abgestandene modrig riechende Luft schwallt mir entgegen. Mein Schatten fällt auf staubbedeckte milchige Scheiben und Vogelkot bedeckten Lack. Mit einem Ast versuche ich das dichte Netz aus Spinnenweben zu durchdringen, während ich über alte Fahrräder, Holzplatten, Betonpfähle, Blumentöpfe, Zaunsfelder, usw… bis zur Beifahrertür vorstolpere. Mit einem Finger wische ich über die zentimetrdicke Staubschicht auf der Windschutzscheibe, dabei krabbelt mir eine Spinne den Nacken hoch. Spärliches Licht fällt in Strahlen durch die Ritzen der zugemauerten Fenster auf einen umgefallenen Stapel Dachziegel der um haaresbreite den rechten Kotflügel verfehlt hat. Ich lege meine Hand auf den Türgriff und öffne langsam die Tür, mit einem knisternden Geräusch Trennt sich die Türdichtung vom Rahmen. Mein Blick schweift über das schwach beleuchtete Interieur, hier riecht es anders, es riecht nach Oldtimer. Der Zündschlüssel steckt. Obwohl ich genau weiß dass nichts passieren würde, drehe ich daran. Es passiert nichts. Mit einem Lauten „Plopp“ springt die Motorhaube ein Stück nach oben als ich den Zug betätige. Irgendetwas raschelt 2 Mal, ich bleibe unbeeindruckt. Mit dem Rücken zur Wand suche ich den Öffner unter der Motorhaube. Es klickt, ich hebe die Haube…… Plötzlich raschelt es wieder.. lauter… im selben Moment fällt mir etwas auf die Füße, die von der Stoßstange bedeckt sind. Erschrocken lasse ich die Haube fallen und verlasse sprungartig meinen Standort. Dabei stolpere ich seitlich über den Stapel umgefallener Dachziegel und stürzte in mehrere Rollen Maschendrahtzaun. Im Lichtspalt des Tores verschwindet ein mardergroßes Tier in die Untiefen der Scheune.

Mit Taschenlampe und Wagenheber bewaffnet machte ich mich daran die Bremsen zu lösen. 3 von 4 waren Locker an die 4. die fest war kam ich nicht rann ;-) Jetzt nur noch Luft aufpumpen und dann kann es schon losgehen.

So hatte ich mir das zumindestens gedacht. Später fiel mir auf das das Tor für das Auto zu klein war. Man hatte damals die Wand bearbeiten müssen um ihn überhaupt abzustellen. Alles kein Problem, dann bauen wir halt noch die Wand aus.

Schnell viel uns auf das man mit Muskelkraft hier nicht viel bewegt. Jetzt musste es schnell gehen.
Fast spurlos huschte der rote Renault rückwärts über den heiligen Rasen meines Vaters, in der Zeit hatte ich schon mit einem Kunststoff-Baumarkt-Seil schlaufen gebunden.
Zwischen AHK und AHK, begann sich das Seil zu straffen. Knackend und knarzend bewegte sich der Rekord, ein Rad blockierte auf dem sandigen Boden. Die Hinterachse hatte es gerade über die Torschwelle geschafft, da fing das Baumarkseil an sich aufzulösen.

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Als die Vorderachse die Torschwelle erreichte, fingen die Räder des Renaults an durchzudrehen. Mit der letzten Haftung die das taufeuchte Grass hergab, schleppte sich die Vorderachse über die Schwelle.

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Bestandsaufnahme:
- Felgen an der Hinterachse Verbreitert
- Stoßstangenhörner vom Skoda MB 1000
- Wartburg 353 Schiebedach
- Wartburg Einzelsitze
- Becker Europa Röhrenradio
- Fahrzeug vollständig
- Fahrzeug ROSTFREI !!
- Unterboden dick beschichtet mit Elaskon und Staub
- Lack, Chrom, Zierleisten nach mehrtägigen polieren rettbar

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Elsterglanz: das beste "wo" gibt.
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Vorher: :(
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Nachher: :)
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Nach 5 Stunden war ich schon bis zur Fahrertür: :lol:
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Diesen Schriftzug kann man überall drannmachen, der sieht immer gut aus. Ich habe auch einen am Garagentor :cool:
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Es braucht noch viel Arbeit bis der Glanzunterschied weg ist, jetzt muss ich aber erstmal den Anblick genießen. :)
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Die perfekte Basis für Lehrlingsgehalt und relativ wenig Zeit. ich bin in der Lehre oft in anderen Bundesländern und dann nur am Wochenende Zuhause. Und nebenbei Spiele ich dann noch Schlagzeug in unserer Band. \m/
So hatte ich nun den Wagen, bevor ich auf euer Forum gestoßen bin. Jetzt nochmal zu tauschen ist von der Zeit her und von den Finanzen eigentlich nichtmehr zu realisieren.
Und eigentlich hab ich hier oft hilfreiche Themen gefunden. Vor allem zum wichtigsten, dem Motor…
Da bleibt mir nichts anderes übrig als hier um Asyl zu bitten… ^^


PS:
Für die Richtigkeit der Geschichte kann ich nicht garantieren, ich habe das aufgeschrieben was ich mir merken konnte. Sollte mir noch etwas einfallen, schreib ich das dazu.
Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten, es sind genug für alle da.
Wie es weitergeht erzähle ich euch ein anderes Mal.

Schöne Grüße
Robbe…
Hab gerade durchgezählt;
ich hab sie wirklich nichtmehr alle.


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METTO
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Beitrag von METTO » 20.11.2011, 15:12

ENDGEIL!


Welcome!

M

wgoeold
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Beitrag von wgoeold » 20.11.2011, 15:53

Tolle Story, sage doch keiner, dass es keine Garagenfunde mehr gibt. Na ja Fund war es ja nicht, Ihr habt ja gewusst was drin steht.

20 Jahre Standzeit sind gar nichts, da brauchst ja nur eine neue Batterie. (':shock:')Viel Glück
Grüße
Werner

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Hubi
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Beitrag von Hubi » 20.11.2011, 16:18

Hallo!
Herzlich Wilkommen! , egal ob mit A, B oder C Rekord :wink:
Find den A sehr schön, mit dem Caravan hast du ne echte Rarität.
Viel Spaß beim fahrbereit machen!
Grüße
Hubi
Echte Männer fahren mit Unterbrecher.

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Durchgewurstelt
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Beitrag von Durchgewurstelt » 20.11.2011, 16:37

Fetzt


Grüße aus nach Leipzssschh

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CCR
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Beitrag von CCR » 20.11.2011, 16:45

Toller Wagen! Ich hoffe er bleibt lange knitterfrei!
Viel Spaß damit! :D

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Herr Wernersen
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Beitrag von Herr Wernersen » 20.11.2011, 17:29

METTO hat geschrieben:ENDGEIL!


Welcome!

M
Yep...so sieht´s aber dermaßen aus...
Das ist vor allem mal eine echt spannende Geschichte zu dem Auto.
Einfach geil.


Gruss
Mario
Ich stand auf dem Klo und wollte ne Uhr aufhängen. Der Beckenrand war nass, da rutschte ich aus und schlug hart mit dem Kopf auf. Als ich wieder zu mir kam, hatte ich eine Offenbahrung. Eine Vision..

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Joan
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Beitrag von Joan » 20.11.2011, 17:40

Ein schönes Stück Geschichte!

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BennyBenson
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Beitrag von BennyBenson » 20.11.2011, 18:11

Ja denn mal Willkommen und danke für diese tolle Geschichte über das Auto

Hab ich das jezt richtig verstanden, dass du noch Azubi bist und das dein kleines Projekt wird?!

Soll der dann im Alltag bewegt werden. Das Ladevolumen ist ja geradezu Prädestiniert für nen Schlagzeug ;) Ach, quatsch da passt sogar das ganze Bandequipment rein (ausser einer von euch spiel Kontrabass)

Auf jedefall ein echt tolles Auto, viel Spass damit :)
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Durchgewurstelt
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Beitrag von Durchgewurstelt » 20.11.2011, 19:31

Gab es 63 schon Cih? Nee erst ab B Modell oder?


Also hat den schonmal jemand umgebaut?

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63erCaravan
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Beitrag von 63erCaravan » 20.11.2011, 19:48

@ Durchgewurstelt:

1974: Umbau von 1,7 auf 1,9.
Die Motornummer wurde einfach übernommen. :lol:
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Das merkt Keiner ^^
Hab gerade durchgezählt;
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METTO
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Beitrag von METTO » 20.11.2011, 19:53

Durchgewurstelt hat geschrieben:Gab es 63 schon Cih? Nee erst ab B Modell oder?


Also hat den schonmal jemand umgebaut?
der wohl denkbare Hauptgrund für die Einführung des Rekord B war die neue Motorengeneration CIH in Genf vorzustellen. Eine Art Technologieträger, optisch schon in Richtung Zukunft, Breitbandscheinwerfer und die beim Manta und GT später genutzten Rücklichter. Technisch eher mau, Blattfedern und fast identische Vorderachse.

M

Der 19S kann nur ein CIH sein und wahrscheinlich auch mit dem passenden Getriebe und dem Anlasser und eventuell auch noch der LiMa.

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Mr. Jackson
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Beitrag von Mr. Jackson » 20.11.2011, 20:18

Willkommen hier im Forum!

Cooles Fahrzeug und schöne Geschichte.
Mein Rekord hatte auch fast 30 Jahre im Dornröschenschlaf verbracht. Der Erstbesitzer (oder warens doch mehrere, das weiss wohl niemand mehr...) hatte nach nur 10 Jahren das Handtuch geworfen und den Rekord abgestellt.

Gruss,
Jackson#
1900

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63erCaravan
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Beitrag von 63erCaravan » 20.11.2011, 21:11

Tach,

erst mal danke ich euch für eure guten Zusprüche, ich bin echt gerührt . :)

So geht Geschichte geht weiter...

August 2010:
2 Wochen Sommerurlaub sind noch übrig. Als erstes muss die Scheune hergerichtet werden, auf der Aufgabenliste steht:

- anhängerweise Gerümpel entsorgen
- Dach abdichten
- Boden einigermaßen begradigen, mit feinem Schotter aufschütten und Verdichten.
- Füßbodenbelag auslegen.
- Fenser einbauen
- Elektrik anschließen, Beleuchtung anbringen, Steckdosen verteilen.
- Werkbank und Schränke Aufbauen.
- Wände Weißen


Das Dach MUSS doch undicht sein:
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Optimiert:
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Mein Vater brachte mir eine alte Schirokko Dieselheizung mit, die nach kurzer überarbeitung der Elektrik, im kommenden Winter gute Dienste leisten sollte.

Ein echter Sprengsatz: mit Diesel gefüllte Schmelzsicherung:
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Weißer Qualm lässt die Erste Zündung vermuten:
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Innerhalb kürzester Zeit waren die 2 Wochen rum, ohne dass der Rekord Fortschritte gemacht hätte.

Wenigstens konnte er seine neue, trockene, warme, saubere, beleuchtete Garage beziehen.
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Im nächsten Beitrag: Thema: Bremsen & Motor


PS: Wenn ich mal wieder zu Hause bin reiche ich ein paar Bilder nach ^^
Hab gerade durchgezählt;
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METTO
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Beitrag von METTO » 20.11.2011, 21:21

Mosh,

joah schick.

M

BtW das ist ein Rekord C Motor.

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